Rafting Ötztaler Ache: Weißer Schaum und nasse Gedanken

Mit diesem Schlachtruf wurde mir das adrenalinversprechende Rafting-Erlebnis auf der Ötztaler Ache, der „Königin unter den Rafting Strecken„, angekündigt. Angst und Bange hätte mir bei dem Gedanken dieses eindringenden Drills werden können. Die Befehle des Rafting des englischen Rafting Senior Guides waren aber letztlich deutlich weniger spektakulär (siehe unten).

Da ich mich am Vortag ja bereits beim Canyoning ordentlich die Wasserfälle hinuntergestürzt hatte, war ich gespannt, wie’s um meine Kraftreserven aussehen würde. Beim Rafting hatte ich vor allem darauf spekuliert, dass „nur“ die Armmuskeln gefordert werden und damit einen Ausgleich zu den vorwiegend – durch die vorangegange Flußbett- und Wasserfallwanderung – bereits beanspruchten Beinmuskeln werden würde. Um’s vorweg zu nehmen: Beim Rafting in wilden Gewässern braucht es auch alle anderen Muskelpartien eines Körpers. Zumindest hatte ich diese am nachfolgenden Tag zu spüren bekommen. Vor allem der Bereich unter dem Latissimus und der Lende, die dem Bootsinneren zugewandt war, ließen mich ihr Dasein wissen.

Wie auch immer. Ab zum Briefing auf der Rafting Station und anschließend zum Einkleiden. Folgende Sicherheitsausrüstung wurde gestellt:

  • Neoprenanzug, in welchem man(n) mehr als sexy ausschaut
  • Schwimmweste, von denen ich gar nicht genug bekommen wollte – zumal ich noch nie zuvor Raften war
  • Neoprenschuhe, die Frage nach Fußpilz stellte sich mir erst später
  • Spritzjacke, schützt nicht vor Wasser
  • Helm, bunt und eiförmig
  • Selbst mitzubringen waren: Badebekleidung, Handtuch und ggf. Sonnencreme

Die Anzüge waren nass und damit eiskalt. Das hatte etwas Überwindung gekostet hineinzusteigen. Endlich „drin“, wurden die Boote gesattelt und die Rafting-hungrigen Wasserratten in Minibusse verfrachtet und zum Einsatzort gefahren.

Nach kurzer Fahrzeit war man dann bei der Einstiegsstelle angekommen. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und ein paar Trockenübungen ging’s auch schon los. Besetzt wurde das Boot mit 6 Adrenalin-süchtigen Gastabenteuerern, einem Rettungs Guide und dem Steuermann, der dafür sorgen sollte, dass wir heil am Ziel ankommen sollten. Hätten die von unserem vortägigen Rausch gewusst, na ja … Im Boot selbst sorgten „Fußfesseln“ für einen entsprechenden Halt. Ohne diese Dinger wäre ich wohl sofort über Bord gegangen, denn die Ötztaler Ache sollte es in sich haben.

Das Wasser kommt nämlich von den Ötztaler Gletschern. Damit war es nicht nur eisblau, sondern auch eiskalt. Gänsehaut wurde aber nicht nur das recht frische Spritzwasser verursacht. Der wilde Ritt des Rafting Boots auf den noch wilder rollenden Wellen und Walzen auf dieser Wildwasser-Weltcup-Strecke sorgten für einen zusätzlichen Adrenalinrausch.

Hoch und runter ging’s und dank der Befehle des Senior Rafting Guides ging auch niemand ungewollt über Bord. Ultimativ und berauschend erlebten wir die Wassergewalten und scheinbar unüberwindbare Katarakte. Für „Angst“ blieb aber gar keine Zeit. Denn kaum hatte man die eine Verblockung überwunden, wartete schon die nächste Schlüsselstelle auf uns.

Ich weiß nach dem etwa 3-stündigen Wasserspaß gar nicht mehr, ob die Bewältigung der Ötztaler Ache mehr Körper oder mehr Geist beansprucht hatte. Letztlich wurden leichtes Wildwasser Grad II bis schweres Wildwasser Grad IV-IV bewältigt (Rafting Wildwasserstufen). Als ganz besondere Belohnung durften einige Wahnsinnge dann doch noch (freiwillig) baden gehen. Allerdings nicht in der Ache, sondern dann im 2. Teil in der etwas ruhigeren Sanna in der Imster Schlucht. „Brrrr, kalt“.

Fazit:

  • Adrenalinrausch: ja!
  • Erlebniskick: ja!
  • Wildwasser total: ja!
  • Nochmals machen: ja!

Rafting Kommandos:

  • Für die entsprechende Bewegung sorgten die Kommandos „Nach vorne!“ und „Nach Hinten!“ inkl. der Steigerung „Voll nach vorne!“ bzw. „Voll nach hinten!“. Gemeint war natürlich die entsprechende Rudebewegung, die im Einklang des Teams passieren sollte.
  • „Alle nach links!“ und „Alle nach rechts!“ sollte die Besatzung des Rafting Boots vor dem Kentern schützen. Im Prinzip musste man sich bei dieser Order möglichst schnell ins Bootsinnere bewegen und klein machen um den Schwerpunkt nach unten zu verlagern.
  • Bei außergewöhnlichen Wasserlöchern oder Strudeln half nur noch der Befehl „Alle rein!“. Wäre doch jemand ungewollt über Bord gegangen wäre der zusätzliche Rettungs-Guide aktiv geworden.

Voraussetzungen für diese Rafting Tour waren:

  • mindestens 16 Jahre
  • bereits erste Raftingerfahrung
  • ausreichend Kondition
  • Schwimmkenntnisse
  • körperliche Gesundheit

Veröffentlicht von

adrenalin.pur

Ich liebe Adrenalin und alles was halbwegs kickt. Ob hoch, schnell oder andersartig - das Gefühl zu wissen, dass man lebt oder das selbige selbst in der Hand hat ist einzigartig und nicht duplizierbar!