Ab geht’s beim Fallschirm Tandemsprung

Jetzt geht’s los, dachte ich mir. Mein Höhenmeter sagt 3.000 Meter und die grünen Lichter weisen auf die Sprungfreigabe für den Fallschirm Tandemsprung hin. Nach knapp 15 Minuten Steigflug, keine weitere Zeit zum Überlegen & kritische Gedanken. Schluß mit dem sensationellen Blick auf die Alpen. Schnell noch den Fallschirmspringergruß und jetzt auf dem Hintern vorrobben. Angekettet an meinen Tandemmaster und Namensvetter Dennis, seines Zeichens Fallschirmspringer bei der Bundeswehr mit bereits über 400 Fallschirmsprüngen in 2009. Und nebenbei aktiv bei den Flying Bones.

Was hatte er eben noch gesagt? „Kopf in Nacken, Arme verschränken, Beine zusammen und unter den Bauch des Flugzeugs krümmen – sei eine Banane„. Stop, ich brauch doch noch Zeit um zu überlegen. Will ich das überhaupt? Noch ein Blick auf die anderen Fallschirm Tandems Sebastian, Julia und Alexander. Keine Zeit. Denn kaum sitze ich lt. Briefing in der Öffnung der Twinbeech geht’s schon ab. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auf mich wartet ein Freifall mit etwa 220 km/h.

Höhenangst? Nein! In dieser Höhe macht das keinen Sinn. Schreien? Ja! Viel. Und laut. Atmen. Atmen. Atmen. Ich spür das Adrenalin ebenfalls mit 220 km/h durch meine Venen, Adern und was ich da sonst noch habe rauschen. Aero-Orgasmus total. Das tut gut. Fallschirmspringen. Jaha!

Mein Fallschirm Tandem Master macht sich die Mühe und wendet uns in der Luft. Warum? Aha. Was ein geiler Blick auf die Twinbee (Beachcraft Model 18). Ein Flugzeugmodell übrigens, in welcher bereits Roger Moore als James Bond im Jahr 1977 tätig war.

Weiter geht’s. Runter. Wohin den sonst?Als nächstes überholen wir Eisregen. Die Schmerzen im Gesicht spüre ich nicht. Mein fliegender Körper hat einen Adrenalin Schock. Was ich in diesen fallenden Momentgen denke, bekomme ich an dieser Stelle nicht mehr zusammen. Befreiendes Schreien. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee.

Auf 1.500 Meter fall ich durch eine Falltür. Eben noch gefühlte 500 Dezibel im Ohr – trotzt Tinitus – und nach Reißen der Fallschirmleine: Stille. Das muss der Himmel sein. Wo sind die Engel? Ein rascher Gedanke an die Aussage „Nur Fallschirmspringer wissen, warum Vögel singen.“ Keine Auflösung, denn der Tandemmaster weckt mich aus der endorphinen Ruhe mit „Ah, da ist der Flughafen. Scannen, selber suchen. Meine Augen versuchen durch die Fallschirmspringer Brille selbst das Ziel (Dropzone: Flugfeld Tannheim bei Memmigen) zu finden. Doch keine Orientierung. Inzwischen weiß ich aber wo oben und unten ist. Zumindest nehme ich das an.

Endlich sehe ich das Flugfeld. Cool. Noch ein Blick nach unten. Hui, da fliegt ja ein andere Sportflieger? Ob das normal ist? Eigentlich nicht, gesteht mir Dennis dann. Wenn die Fallschirmspringer in der Luft sind, haben die anderen Vögel Sendepause. Egal. Geschätzte 500 Meter Abstand wiegen mich in Sicherheit. „Weitergenießen“ ist angesagt.

Nach mehreren Minuten Flugzeit erwartet und die Landung. Dennis hat sich für einen Acker entschieden. Sauber – vor allem wenn man weiß, dass im Herbst die Felder gedüngt werden. Beine hoch, denn die Landung ist als Arschbombe geplant. Wir kommen näher und stellen fest, es handelt sich um ein frisch geerntetes Maisfeld. Hoffentlich sind die übrig gebliebenen Maisstämme gnädig.

Sie sind. Aber es stinkt. Und die Landung erfolgt auf meinem Steißbein. Autsch. Das werde ich wohl noch die nächsten Tage spüren. Egal. Ich bin unten. Ich hab’s geschafft. Ich bin der Größte. Unbesiegbar. Das Adrenalin rauscht nochmals durch das Blut ehe mich der Boden wieder hat. Das war gut. „Sauber“, sage ich. Das wird man wohl auch auf dem Video hören, dass sich in Kürze hoffentlich hier finden wird.

„Hattest Du Angst um mich?“, frage ich meine Frau. „Nope, ich will auch mal!“.Ok. Soll sie haben. Dann werde ich Ihr bei nächste Gelegenheit mal einen Fallschirm Tandemsprung schenken!

Jetzt geht’s ab erst Mal nach Hause in die Badewanne.

Danke an die Flying Bones, Chef Sascha, meinem Fallschirm Tandem Master Dennis und Andi, der das Ganze wunderbar organisiert hat.

Veröffentlicht von

adrenalin.pur

Ich liebe Adrenalin und alles was halbwegs kickt. Ob hoch, schnell oder andersartig - das Gefühl zu wissen, dass man lebt oder das selbige selbst in der Hand hat ist einzigartig und nicht duplizierbar!