Krav Maga Prüfung Level 1

Im Rahmen der IKMF Krav Maga Masters Tour 2010 in München wurde uns Keepsafe-Padwanen der Practitioner Level 1 abgenommen. Der IKMF-Test wurde von Eli-Ben am Ende der Münchner Krav Maga persönlich innerhalb einer gefühlten 3/4 Stunde durchgeführt. Dabei bediente sich der israelische Krav Magist mit Expert Level 3 überwiegend aus dem nachfolgend aufgelisteten Repertoire, dass als Grundlage für den 1. Kravmaga Leveltest der International Krav Maga Federation gilt. In diesem speziellen Fall wurde der Test des Israelis in englischer Sprache abgehalten. Übersetzungen waren aber erlaubt. Um’s vorwegzunehmen: Am Ende hatte alle Prüflinge den Test bestanden, ihr erstes gelbes Patch sowie die schriftliche Bestätigung in ihrem Krav Maga Ausweis erhalten.

Da sich die Voraussetzungen für den Practitioner Level 1 zukünftig ändern können, übernehme ich a) keine Gewähr für die unten stehenden Angaben und b) führe ich nicht alle möglichen und zu bewältigenden Aufgaben auf. Ich beschränke mich auf die wesentlichen Selbstverteidigungstechniken.

Allgemeine Voraussetzungen

1. Theoretische Grundlagen
Theoretische Fragen, die freiwillig von einzelnen Prüflingen beantwortet werden durften, drehten sich z.B. um

  • Wann kann eine Hamerfaust eingesetzt werden? (Lösung: Als Folgeaktion nach einem Tritt auf die Genitalien.)
  • Wann muss man sich nach hinten abrollen oder einen „Hard Break“ realisieren? (Lösung: Nach einem Stoß oder rückwärtsstolpern.)

2. Ausgangsbasis
Das notwendige Repertoire an Maßnahmen musste aus allen relevanten Ausgangssituationen abgerufen werden können:

  • passive outlet stance (= passive Stellung; Fußstellung ist parallel, die Arme hängen nach unten – ein Angriff kommt unerwartet)
  • semi-passive outlet stance (= halbaktive Stellung mit parallel gestellten Füßen und angehobenen Armen; hier reagiert man vorsichtig auf die Bedrohung, bleibt aber deeskalierend)
  • active outlet stance (= Kampfstellung mit versetzten Beinen und angehobenen Armen; hier erwartet man einen Angriff)

3. Partner
Alle Verteidigungs- und Gegenangriffstechniken sollten mit und ohne Partner angewandt werden können. Während der Krav Maga-Prüfung bedeutete das, dass je nach Ansage von Ben die Taktiken mit bzw. ohne Partner durchgeführt werden mussten.

4. Beidseitigkeit
Obwohl es in der Natur des Menschen liegt, auf einer Seite (Hand/Bein) motorisch besser und physisch stärker zu sein, gilt es beim Krav Maga beidseitig die erlernten Taktiken anwenden zu können. Der Grund liegt im Wesen der Selbstverteidigung selbst. Den vermeintlichen Angriff bzw. die Seite des Angriffs durch einen Aggressor kann man sich nicht aussuchen. Schlag-, Tritt- und Abwehrtechniken sollten also sowohl mit links als auch mit rechts ausgeführt werden können.

5. Check der körperlichen Verfassung
Drills, Liegestütze, Liegestütze, Liegestütze, Drills und andere spielerische Übungen sollten zu einer ausreichenden Grundkondition geführt haben. 30 Liegestütze wurden auch in meiner Level-Prüfung gefordert.

6. Kombinationen
Unter Berücksichtigung der vorangegangenen Punkte 1-5 wurden die Level 1-Anwärter auch dazu aufgefordert „Kombinationen“ zu realisieren. Zum Beispiel sollte nach einem Schnapptritt die Vorwärtsbewegung mit der logisch zu folgenden Hammerfaust von oben erfolgen. Nach einem Tritt in die Weichteile ist davon auszugehen, dass sich der Gegner in gebeugter Haltung befindet. Alternativen in dieser Situation wären auch ein Kinnhaken oder ein Kick mit dem Knie Richtung Kopf des Aggressors. Die Kombinationen wurden vom Prüfer vorgegeben

7. Koordination
Bei Angriffen will auch das richtige Fallen (Hard Break aus dem Stand nach vorne/hinten), Abrollen (vorwärts/rückwärts) sowie das Aufstehen (vorwärts/rückwärts inkl. Sprint) gelernt sein.

8. Aktion nach erfolgreicher Abwehr
Nach (und teilweise während) jedem Angriff gilt es sich schnell einen Überblick über die Gesamtlage und seine jeweilige Umgebung zu schaffen = Scanning. Anschließend gilt es den schnellstmöglichen und sichersten Weg zur rettenden Tür einzuschlagen.

Wer sich auf den Practitioner 1 vorbereitet, hat wohl die größte Panik die Techniken nicht richtig anwenden zu können. Nachfolgend habe ich ein paar Videos aufgeführt, die einen Teil der Aufgaben beim Practitioner Level 1 gefordert werden.

Schlagen

Gerade zum Kinn mit offener Handfläche und geschlossener Faust

Horizontaler Schlag mit dem Ellenbogen nach Vorne, zur Seite, nach Hinten

Vertikale Hammerfaust nach Vorne, nach Unten, nach hinten

Horizontale Hammerfaust zur Seite, nach hinten

Treten

Kick mit dem Knie nach oben

Stampftritt nach vorne

Kick nach hinten

Abwehr gegen Schläge von außen – Outside defenses

Ellenbogenabwehr (360°) gegen alle Seiten inklusive Gegenangriff

360° inklusive Counterattack und schnellem Rückzug bei Messerangriffen von oben und unten

Abwehr gegen Schläge von innen – Inside defenses

Inside Defense gegen gerade Schläge inklusive gleichzeitigem Gegenangriff mit offener Handfläche und geschlossener Faust

Abwehr gegen Würgen

Würgen von Vorne und Counterattack mit Schnaptritt und Schlägen zum Gesicht

Würgen von der Seite: Lösen, Schlag mit der Handfläche in die Genitalien, Ellenbogen hochziehen in Richtung Kinn und Seitwärtskick

Würgen von hinten: Lösen, Seitwärtsschritt nach hinten inkl. Drehung und Hammerfaust

Schwitzkasten seitlich: Kopf weg von Armbeuge drehen, Hände nach hinten in Richtung Gesicht des Gegens werfen, Griff ruckartig lösen, drehen und Counterattacks mit Knie und Hand zum Kopf

Würgen am Boden

Abwehr unter Einsatz von herkömmlichen Dingen

Abwehr von Angriffen mit Tasche, heißem Kaffee, spitzigem Regenschirm, Steinen usw.

Am nächsten Tag konnte ich die Prüfung eines Level 4-Anwärtes beobachten. Der P4-Prüfung gingen voran P1- und P2-Prüfungen anderer IKMF-Schüler. Interessanterweise musste der Prüflung des Practitioner Level 4 auch die Inhalte der Practitioner 1 und 2 mitmachen. Ob das die Regel ist, weiß ich nicht. „Können“ sollte man die „alten“ Techniken sowieso. Bei den höheren Level-Prüfungen hatte der Level-Prüfer – in diesem Fall ebenfalls Eli-Ben – deutlich genauer und fordernder auf die Ausführung der Angriffs- und Abwehrtechniken geschaut. Am Ende ist meines Wissens nach aber trotzdem keiner durchgefallen.

Kosten Prüfung Practitioner 1 Level
Neben den Kosten für den IKMF Pass in Höhe von derzeit 25 € fallen je Krav Maga Leveltest weitere Prüfgebühren an. Für den P1 betrugen diese 30 €.

Weitere IKMF Prüfungen & Leveltests
In knapp einem halben Jahr werde ich mich wohl am P2 (Practitioner 2nd Level) versuchen. Diese Prüfung wird mir vermutlich der IKMF Direktor John beim Münchner Krav Maga Anbieter abnehmen. Die P3 wiederum muss dann wieder durch einen der israelischen Masters abgenommen werden. Nach 4 Practitioner Level (gelbes Abzeichen) folgen übrigens 6 Expert Level (rotes Abzeichen) und anschließend 3 Master Level. Hier finden sich alle IKMF Krav Maga Graduierungen auf einen Blick.

Veröffentlicht von

adrenalin.pur

Ich liebe Adrenalin und alles was halbwegs kickt. Ob hoch, schnell oder andersartig - das Gefühl zu wissen, dass man lebt oder das selbige selbst in der Hand hat ist einzigartig und nicht duplizierbar!