Angst & Lust erleben = AngstLust

Inzwischen habe ich die typischen Angstlust-Erlebnisse von Jochen Schweizer selbst ausprobiert. Unter Angstlust-Erlebnisse fallen die Jochen Schweizer hauseigenen Erlebnisprodukte House Running, Bungee Jumping und Base Flying. Ergänzend könnte man noch Fallschirm Tandemspringen dazunehmen.

Wirklich Angst (und kaum Lust) hatte ich rückblickend nur beim Base Flying in Berlin. Ob’s an meiner Tagesform lag oder an der Situation wie ein hilfloser Fisch in 125 m an der Angel zu hängen, weiß ich nicht. Ich weiß aber um die schiere Angst, als ich fallengelassen wurde. Eventuell tue ich mir das bald nochmals ein 2. Mal an. Nur um zu überprüfen, was die Ursache meiner Angst war.

Die geringste Angst hatte ich beim House Running. Liegt wohl auch daran, dass ich – wie bei allen Erlebnissen – den Teams vor Ort hinsichtlich Sicherheit blind vertraue.

Eine Definition des von Michael Balint geprägten Ausdrucks der Angstlust findet Ihr übrigens bei Wikipedia. Hier ein Auszug:

Angstlust verspürt danach derjenige, der sich freiwillig äußerer Gefahr aussetzt, mit der zuversichtlichen Hoffnung, alles werde gut enden. Nach Balint bedeutet dies das „Aufgeben und Wiedererlangen von Sicherheit“. Das Streben danach habe seine Wurzeln im Trauma frühkindlicher Trennungserlebnisse.

House Running in Berlin

„Von der Skyline bis zum Bordstein“, so hätte mein Motto an diesem herrlichen Samstag Morgen lauten können. Bester Sonnenschein, kaum verkatert und einen herrlichen Ausblick über Berlin, dessen Fernsehturm und den Alexanderplatz. Zeit also, etwas einmaliges zu machen.

Wie ein Rockstar hätte ich mich fühlen können, den vom Alex haben tausende auf mich hinauf gesehen. Warum? Weil ich lebensmüder Adrenalin Junkie der Meinung war an diesem verdammt schönen Morgen „over the edge“ des Park Inn Berlin gehen zu müssen. Runtergekommen ist ja bekanntlich noch jeder.

Also tief Luft geholt und dann mit eigenen Händen, sich aktiv über die Dachkante des Hotels in die Vertikale gezogen. Und das in 125m Höhe. Face Down to the Alexanderplatz. Die Flut an Gedankenblitzen, die nun über mich hereinbrach ist kaum zu beschreiben:

Krass. Adrenalin. Schock. Pur. Gedanken da und schon wieder weg. Puh, ist das hoch. Hält das Seil. Atmen. Wie komme ich bloß hier hin. Atmen. Könnte das letzte sein, dass Du siehst. Weiteratmen. Pocherndes Herz. Rauschendes Blut. Wow. Geil!

Nachdem der erste Zug getan war, musste ich mich nun knapp 100m tief an der Hausfassade entlang etlicher Hotelzimmer nach unten auf das Vordach des Park Inns herablassen. Die Geschwindigkeit des Abgangs hatte ich selbst im Griff. Am Anfang ging’s langsam hinunter und dann, mit zunehmendem Spaß, immer schneller. So schnell, dass sich unten einer der House Running Guides die Finger an meinem Abseilachter verbrannt hat. Die „Bodenhaftung“ mit der Hauswand beim House Running in Berlin habe ich erst im unteren Drittel verloren. Hier war’s dann zunehmend schwerer das Gleichgewicht zu halten. Letztlich besteht ein Trick beim House Running darin, dass man möglichst senkrecht zur Hauswand steht. Nur dann ist man in der Lage die Fassade hinunter zu laufen. Wobei „laufen“ den Vorgang nur weitgehend beschreibt. Man lässt sich vielmehr am Seil herab und nutzt die Füsse ausschließlich zum austarieren und Gleichgewicht halten.

Nachdem der anfängliche Adrenalinrausch vorbeigezogen war, war auch die Angst verflogen. Ich verließ mich zu 100% auf die zwei House Running Guides sowie meinen ein Sicherungsgurt.

Eine Herausforderung die es in sich hatte. Ein Erlebnis, dass man ein mal gemacht haben sollte. Ein Gefühl, dass ich bis dahin nicht kannte. Wie sich später herausstellen sollte, konnte ich so auch die leicht vorhandene Höhenangst deutlich dämpfen. Bungee Jumping oder der Blick vom Empire State Building verursachten mir kaum noch weiche Knie. Eine interessante, mentale Entwicklung wie ich finde.